Cover Tennisgeschichte

Der Hanswurst gehört an den Stehtisch, nicht auf den Tennisplatz. Doch der Autor sieht das anders. Also landet er zwischen dem Hape, der Antonia, rotem Sand und einem sehr selbstsicheren Dr. Strelow in einer Welt, in der Menschen freiwillig kleinen gelben Bällen hinterherlaufen.

Diese Geschichte gibt es auch als eingesprochene Fassung.

Gelesen von: Michael Elze

Worum geht’s?

Eigentlich möchte der Hanswurst nur das tun, was er am besten kann: im Imbiss ums Eck stehen, Bier trinken, Currywurst würdigen und dem Leben beim leisen Entgleisen zusehen. Stattdessen findet er sich plötzlich auf einem Tennisplatz wieder, einem Ort, der schon deshalb verdächtig ist, weil dort alle so tun, als sei Bewegung etwas Gutes.

Während der Hape wie üblich künstlerische Möglichkeiten erkennt, die Antonia eigene Maßstäbe setzt und Dr. Strelow mit erstaunlicher Selbstgewissheit auftritt, versucht der Hanswurst herauszufinden, ob man auf rotem Sand wenigstens halbwegs würdevoll scheitern kann.

Die Geschichte lesen

Die Sonne knallt unbarmherzig auf den roten Sandplatz. Ein typischer Tennisclub irgendwo in der Stadt, wo die Leute Polohemden mit kleinen Krokodilen drauf tragen und das Mineralwasser in Glasflaschen serviert wird. Ich stehe mit dem Hape am Rand des Platzes, während die Antonia mit einem drahtigen, braungebrannten Typen Mitte fünfzig auf dem Court steht. Der Typ, nennen wir ihn Dr. Strelow, trägt ein frisch gebügeltes Tennisset, weiße Socken bis zum Knie und hat diesen FDP-Smart-Talk-Gesichtsausdruck, der nach steuerlichen Vorteilen und Golfclubmitgliedschaft riecht.

„Sag mal, Hape, ich versteh das jetzt nochmal nicht ganz. Warum bin ich hier?“, frage ich, verschwitzt, mit einer Dose Bier in der Hand.

Der Hape dehnt sich, mit einem Stirnband, das schon nach Kunstprojekt aussieht. „Weil du mein bester Freund bist und ich dein kulturelles Bewusstsein erweitern möchte.“

Ich ziehe an meiner Zigarette. „Ja, aber Sport? Tennis? Das ist doch kein Sport. Das ist eine Möglichkeit für Leute mit zu viel Zeit, sich gegenseitig mit Bällen zu bewerfen. Und dann noch diese Klamotten! Die sehen doch alle aus wie Animateure in einer Ferienanlage.“

Der Hape kichert. „Dachte, du kommst wegen der Antonia.“

„Sie verkauft doch ihre Kunst, nicht meine Seele!“, brumme ich und nehme einen Schluck aus der Bierdose. Dann halte ich kurz inne, schaue in die Ferne und murmele: „Eigentlich hätte ich mich ja weigern können. Ich hätte sagen können: Nein, Hape, lass mich in Ruhe, ich will nicht in einen Tennisclub voller FDP-Wähler. Aber nein. Der Autor, dieser rückhandlose Netzroller, hat entschieden, dass ich hier stehen muss. Mit einem Tennisschläger in der Hand. Und wie’s aussieht, auch gleich eine Blamage erleben werde. Der Tie-Break-Trottel hat das offenbar so vorgesehen.“

Die Antonia dreht sich zu uns um, ihr perfektes Tennis-Outfit sieht aus, als hätte es vorher eine Instagram-Absegnung durchlaufen. Sie ist leicht genervt. „Hape! Hanswurst! Reißt euch mal zusammen! Das hier ist wichtig!“

Dr. Strelow lacht laut, während er einen Ball jongliert. „Ich finde es erfrischend, dass Sie Kultur in diesen erlesenen Sport bringen. Ich selbst liebe Kunst. Habe kürzlich eine Skulptur von einem Herrn – wie hieß er noch gleich? – für fünfzigtausend erworben.“

Ich grinse. „Ich hab neulich ne Currywurst für fünf Euro gekauft. War auch ein Kunstwerk.“

Die Antonia schließt für einen Moment die Augen und atmet tief durch. „Hanswurst, bitte. Einfach… bitte.“

Der Hape sagt verschmitzt: „Ich finde, er hat einen Punkt.“

Dr. Strelow mustert mich. „Na, wenn Sie Kunst schätzen, sollten Sie mal in Antonias Galerie kommen. Ich plane, in moderne Ausdrucksformen zu investieren. Immerhin muss man sein Portfolio diversifizieren.“

Ich ziehe an meiner Zigarette, mustere den Dr. Strelow und grinse. „Ach, jetzt versteh ich’s. Sie wollen Geld ausgeben, aber mit intellektuellem Überbau, damit’s nicht so auffällt, dass Sie einfach nicht wissen, wohin damit.“

Der Hape flüstert: „Oh Gott.“

Die Antonia, sichtlich gestresst: „Hanswurst, könntest du bitte aufhören, meine Kundschaft zu analysieren?“

Dr. Strelow, überraschend amüsiert: „Haha! Nein, nein, das ist gut. Ich mag Ehrlichkeit. Es ist wahr, Geld muss arbeiten. Und warum nicht in Kunst?“

Ich nicke. „Solange es nicht in NFTs endet.“

Dr. Strelow lacht. Die Antonia atmet hörbar aus.

„Ich schätze einen guten Schlagabtausch. Aber können Sie auch Tennis spielen, Herr… äh?“, fragt Dr. Strelow.

Ich zeige auf meine Bierdose. „Ich bin mehr so im Freistil unterwegs.“

Dr. Strelow reicht mir einen Schläger. „Wie wäre es mit einer Wette? Wenn Sie es schaffen, mir EINEN Punkt abzunehmen, investiere ich in Antonias Kunst.“

Der Hape lacht. „Hanswurst, das ist deine Chance, zum Kulturschützer zu werden.“

Ich zögere, dann zucke ich mit den Schultern. „Na gut. Aber wenn ich gewinne, zahlst du uns noch ne Runde Bier im Imbiss ums Eck.“

Dr. Strelow winkt ab. „Selbstverständlich.“

Ich nehme den Schläger wie ein Hackebeil und gehe auf den Platz. Während ich mich bereitmache, murmele ich: „Das wird eine Katastrophe. Der Autor will, dass ich mich blamiere. Ich hätte ein Bier trinken und das Ganze ignorieren können, aber nein. Dieser literarische Doppelfehler im Menschkostüm musste mich ja unbedingt auf einen Tennisplatz schreiben. Wahrscheinlich sitzt der Filzball-Depp irgendwo und lacht sich ins Fäustchen.“

CUT TO:

Ein paar Sekunden später schlage ich den Ball ins Netz, auf den Zaun, in die Zuschauer. Überall hin, nur nicht dahin, wo er soll. Dann stolpere ich über meine eigenen Schnürsenkel, lande unsanft auf dem Boden und werfe dabei den Schläger wie eine verirrte Waffe quer über den Platz. Eine elegante Frau in einem weißen Tennisrock muss sich blitzartig ducken. „Was zur Hölle?!“

CUT TO:

Ich sitze wieder am Rand des Platzes, die Bierdose in der Hand, während Dr. Strelow mir freundschaftlich auf die Schulter klopft.

Dr. Strelow lacht immer noch. „Das war großartig. Ich habe selten so viel Spaß auf dem Platz gehabt.“

Die Antonia ungläubig: „Also… bedeutet das…?“

Dr. Strelow nickt. „Nun, ich mag Ihre Kunst. Ich werde in Ihre Galerie kommen. Aber ich denke, wir belassen es bei einem kleineren Stück für den Anfang.“

Der Hape sagt zu mir: „Also, nicht die ganz große Kunstrevolution, aber ein Achtungserfolg.“

Ich ziehe an meiner Zigarette und proste Strelow mit dem Bier zu. „Na, dann willkommen in der Welt der Kultur.“

Plötzlich nähert sich ein Clubangestellter und hält ein zertrümmertes Glas-Dingsbums hoch. „Wer hat den Schläger geworfen? Das war unser Clubpokal aus den 80ern!“

Ich blinzle. „Oh. Äh… na gut, dann würde ich sagen, ich zahl die nächste Runde.“

Dann drehe ich mich zur Kamera – oder zum Leser – und murmele: „Ich hätte auch einfach zuhause bleiben können. Aber das hier musste wohl passieren. Danke, Autor. Danke für nichts. Du besaiteter Vollpfosten. Du Sandplatzsadist. Du arschiger Aufschlag-Affe.“

ENDE

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