
Was passiert, wenn im Imbiss ums Eck plötzlich über linksradikale Außerirdische, Überwachungsvögel, Mondrotation und die sichere Rente diskutiert wird? Genau: Der Hape wittert Kunst, der Schorsch bleibt skeptisch und der Brezel-Peter beruft sich auf einen Taxifahrer.
Diese Geschichte gibt es auch als eingesprochene Fassung.
Gelesen von: Eric Pardey
Worum geht’s?
Eine Taube taucht auf. Oder sie war schon immer da. Jedenfalls steht plötzlich die Frage im Raum, ob Tauben wirklich Tauben sind oder doch etwas ganz anderes. Aus einer scheinbar harmlosen Imbissbeobachtung wird eine Diskussion über Verschwörungstheorien, politische Kurzschlüsse, Alltagsparanoia und die beruhigende Kraft einer vernünftigen Currywurst.
Die Geschichte lesen
Es gibt Tage, da steht man im „Imbiss ums Eck“, trinkt sein Bier, wartet auf die Currywurst und denkt: Heute passiert nichts mehr, was man hinterher erklären muss. Spoiler: sie entwickeln sich dann leider zumeist ganz anders.
Das sind dann in der Regel die Tage, an denen der Brezel-Peter reinkommt.
Ich stehe an meinem Lieblingsstehstammtisch, der Hape steht neben mir und betrachtet die Ketchupflasche, als hätte sie ihm gerade ein sehr persönliches Geheimnis anvertraut. Der Schorsch steht hinterm Grill, raucht nicht, was bei ihm ein Zustand ist, der ungefähr so lange hält wie demokratische Vernunft in Kommentarspalten. Draußen hängt ein grauer Nachmittag über der Straße. Die Autos schieben sich langsam vorbei. Auf dem Gehweg glänzen alte Pfützen. Über den Häusern hängen Hochspannungsleitungen, und darauf sitzen Vögel. Ganz normale Vögel, denke ich.
Das ist mein erster Fehler.
Der zweite Fehler ist, dass ich überhaupt denke, ich hätte hier Einfluss auf irgendwas. Ich bin ja der Hanswurst, fiktive Figur, ehemaliger Metzgerlehrling, gegenwärtiger Stehtischphilosoph. Ich hätte heute gern einfach Currywurst gegessen. Aber der Autor, diese dramatische Flitzpiepe, hat offenbar beschlossen, dass ich mich mit Außerirdischen, Überwachungsvögeln und der gesetzlichen Rente beschäftigen muss.
Manchmal möchte ich dem Autor in die Tastatur greifen und sagen: Schreib doch mal einen Menschen, der seine Ruhe hat.
Da geht die Tür auf.
Der Brezel-Peter kommt rein. Er trägt seine alte Jacke, die aussieht, als hätte sie schon auf Baustellen, in Kneipen, auf Schrebergartenfesten und in mindestens zwei polizeilichen Befragungen ausgeholfen. Sein Gesicht ist rot vom Wind.
„Leute“, sagt der Brezel-Peter. „Ich hab was erfahren.“
Der Schorsch dreht nicht mal den Kopf. „Dann behalt’s für dich.“
„Nee“, sagt der Brezel-Peter. „Das betrifft uns alle. Es geht um Area 51.“
Der Schorsch legt die Zange ab.
„Was ist damit?“, fragt der Hape.
Der Brezel-Peter kommt näher an unseren Tisch. Er senkt die Stimme, obwohl außer uns niemand da ist. „In Area 51 lebt seit siebzig Jahren ein linksradikaler Außerirdischer.“
Es ist kurz still. So still, wie es ist, wenn jemand im Bus laut sagt, er habe früher mal mit einem Waschbären gesprochen.
„Ein was?“, frage ich.
„Ein linksradikaler Außerirdischer“, sagt der Brezel-Peter. „Hat mir ein Taxifahrer erzählt.“
Der Schorsch nimmt die Zange wieder in die Hand. „Dann ist es natürlich wasserdicht.“
„Ich sag ja nicht, dass ich’s glaube“, sagt der Brezel-Peter. „Ich sag nur, dass der Taxifahrer sehr überzeugend war.“
„Taxifahrer sind immer überzeugend“, sagt der Hape. „Die haben ja ein Publikum, das nicht aussteigen kann.“
Der Brezel-Peter nickt. „Eben. Und der hat gesagt, der Außerirdische sei 1956 abgestürzt. Oder 1957. Irgendwo in Nevada. Die Amerikaner wollten ihn verhören, aber der hat erst mal einen Betriebsrat gegründet.“
Der Hape macht große Augen. „Das ist stark.“
„Was ist daran stark?“, fragt der Schorsch.
„Ein Außerirdischer, der die Organisationsfrage stellt“, sagt der Hape. „Das ist praktisch Weltraum-Brecht.“
Ich trinke einen Schluck Bier. Es schmeckt kalt und vernünftig, also nach etwas, das in dieser Szene dringend unterbesetzt ist.
„Und warum linksradikal?“, frage ich.
„Weil er angeblich die Kühe befreien wollte“, sagt der Brezel-Peter.
„Die Kühe?“
„Ja. Die Amerikaner haben ja dauernd Kühe entführt, um ihm was zu essen zu geben. Aber der Außerirdische war gegen Ausbeutung von Nutztieren.“
Der Schorsch schaut auf die Würste auf dem Grill. Dann schaut er mich an. Dann den Hape. Dann wieder die Würste.
„Ich will jetzt keine Diskussion“, sagt er.
„Noch nicht“, sage ich.
Der Hape lehnt sich vor. „Vielleicht war er gar kein Außerirdischer. Vielleicht war er ein politisches Projekt.“
„Aus dem All?“, frage ich.
„Warum nicht?“, sagt der Hape. „Der Kapitalismus ist ja auch überall.“
Der Schorsch schiebt zwei Portionen Pommes ins Fett. Es zischt. Das Geräusch holt uns für einen Moment zurück in die Welt, also in die normale vermutlich.
„Ich hab immer gesagt“, murmelt der Schorsch, „ihr sollt nicht mit dem Brezel-Peter reden, bevor ihr was gegessen habt.“
Draußen fliegt ein Vogel hoch und setzt sich auf die Hochspannungsleitung. Ein anderer rückt ein Stück zur Seite. Sie sitzen da in einer Reihe, schwarz gegen den grauen Himmel. Ich sehe sie an und denke: Vögel halt.
Der Brezel-Peter sieht sie auch.
„Apropos“, sagt er.
Der Schorsch sagt sofort: „Nein.“
„Doch“, sagt der Brezel-Peter. „Habt ihr euch mal gefragt, warum Vögel auf Hochspannungsleitungen sitzen?“
„Weil sie Füße haben?“, frage ich.
„Falsch“, sagt der Brezel-Peter. „Weil sie laden.“
Der Hape legt langsam die Ketchupflasche ab.
„Du meinst …“
„Überwachungsdrohnen“, sagt der Brezel-Peter. „Getarnt als Vögel.“
Der Schorsch schließt kurz die Augen. Vielleicht betet er. Früher war er ja Seelsorger bei der Bundeswehr. Das merkt man ihm manchmal an. Er hat diese Art von Geduld, die nur Leute haben, die schon Soldaten, Kantinenpersonal und betrunkene Stammkunden seelisch sortieren mussten.
„Peter“, sagt er, „Vögel sind Tiere.“
„Das behaupten die Tiere“, sagt der Brezel-Peter.
Der Hape richtet sich auf. „Moment. Das ist als Gedanke nicht völlig uninteressant.“
„Doch“, sagt der Schorsch. „Ist er.“
„Nein“, sagt der Hape. „Als Kunstprojekt. Stell dir vor: eine Ausstellung nur mit leeren Vogelkäfigen. Titel: Wer überwacht die Überwacher, wenn die Überwacher Spatzen sind?“
„Das ist kein Titel“, sage ich. „Das ist ein Seminar, bei dem man nach zwanzig Minuten heimwill.“
Ich schaue wieder nach draußen. Die Vögel sitzen noch da. Einer bewegt den Kopf ruckartig. So, wie Vögel das tun. Oder Drohnen, wenn sie billig gebaut sind.
Ich merke, wie mein Gehirn kurz mitmacht. Das ist das Gemeine an solchen Theorien. Man weiß, dass sie Quatsch sind, aber irgendwo im Hinterkopf macht eine kleine Tür auf und sagt: Komm, nur mal gucken.
„Also“, sage ich. „Nur damit wir das einmal sauber sortieren. In Area 51 sitzt ein linksradikaler Außerirdischer, der Kühe befreien will. Vögel sind Überwachungsdrohnen. Und die Taxifahrer sind die letzten verlässlichen Quellen.“
„Genau“, sagt der Brezel-Peter.
„Dann fehlt nur noch die Frage, ob sich der Mond um sich selbst dreht“, sagt der Hape.
Der Schorsch stellt zwei Currywürste mit Pommes vor uns hin. „Der dreht sich.“
„Tut er nicht“, sagt der Hape.
„Tut er doch“, sagt der Schorsch.
„Wir sehen aber immer dieselbe Seite“, sagt der Hape.
„Weil er sich genau so schnell um sich selbst dreht, wie er um die Erde läuft“, sagt der Schorsch. „Gebundene Rotation.“
Der Brezel-Peter schaut ihn an. „Woher weißt du das denn?“
Der Schorsch zuckt mit den Schultern. „Bundeswehr. Nachts draußen. Einer guckt Sterne, einer hat Heimweh, einer erklärt den Mond. Irgendwann bleibt was hängen.“
Ich esse eine Pommes. Sie ist heiß. Sie hat Salz. Sie stellt keine Behauptungen über Nevada auf. Ich mag sie sofort.
„Das heißt“, sagt der Hape langsam, „der Mond dreht sich, aber so, dass wir es nicht merken.“
„Ja“, sagt der Schorsch.
„Das ist wie bei der Rente“, sage ich. „Die bewegt sich auch, aber keiner weiß, ob in die richtige Richtung.“
Der Schorsch lacht nicht. Das hätte mir zu denken geben sollen.
Der Brezel-Peter schnaubt. „Die Rente ist sicher.“
Der Schorsch sieht ihn an. „Sagt wer?“
„Na ja“, sagt der Brezel-Peter. „Irgendwer hat das mal gesagt.“
„Irgendwer hat auch gesagt, Vögel seien Drohnen“, sagt der Schorsch.
„Das war ich“, sagt der Brezel-Peter.
„Eben.“
Der Hape stochert in seiner Currywurst. „Ich glaube, ich habe gar keine Rente.“
„Du hast Rentenpunkte“, sage ich.
„Ich habe Kunstpunkte“, sagt der Hape. „Die sind aber nicht anerkannt.“
„Von wem?“
„Von allen.“
Der Schorsch lehnt sich an die Theke. Für einen Moment ist er nicht nur der mürrische Imbisswirt mit der Grillzange, sondern ein Mann, der schon viele Leute hat älter werden sehen. Stammkunden, Lieferanten, Nachbarn. Manche kommen irgendwann seltener. Manche gar nicht mehr. Manche schicken eine Postkarte aus der Reha. Manche stehen plötzlich da und sagen, sie hätten jetzt Zeit, aber keine Knie mehr.
„Rente“, sagt der Schorsch, „ist nicht wie Currysoße. Die wird nicht besser, wenn man nur lang genug rührt.“
Der Brezel-Peter kaut nachdenklich auf seiner Brezel. „Was heißt das?“
„Dass man sich kümmern muss“, sagt der Schorsch. „Konten klären. Lücken prüfen. Nicht erst mit sechsundsechzig sagen: Huch, wo ist denn mein Lebenslauf hin.“
Der Hape sieht betroffen aus. „Mein Lebenslauf ist ein offenes Werk.“
„Dein Lebenslauf ist ein Schuhkarton voller Quittungen“, sagt der Schorsch.
„Auch das ist ein offenes Werk.“
Draußen flattert einer der Vögel auf. Er landet direkt auf dem Schild vom Imbiss. Dort steht in verblichenen Buchstaben: Currywurst. Pommes. Getränke.
Der Vogel schaut zu uns rein.
Der Brezel-Peter erstarrt. „Der hat uns gehört.“
„Peter“, sagt der Schorsch.
„Guck doch!“
Der Vogel dreht den Kopf. Erst nach links, dann nach rechts. Dann pickt er gegen das Schild.
„Der sendet“, flüstert der Brezel-Peter.
Der Hape raunt. „Vielleicht ist das der Moment.“
„Welcher Moment?“, frage ich.
„Der Moment, in dem aus Theorie Handlung wird.“
„Das ist selten gut“, sage ich.
Aber da ist der Hape schon draußen. Der Brezel-Peter hinterher. Ich folge, weil ich der Hanswurst bin und der Autor mich offenbar nicht klug genug geschrieben hat, an meinem Lieblingsstehstammtisch zu bleiben.
Draußen riecht es nach Regen, Abgas und nassem Papier. Der Imbiss wirft warmes Licht auf den Gehweg. Der Vogel sitzt noch auf dem Schild. Aus der Nähe sehe ich, dass es keine Krähe ist, sondern eine Taube. Eine ziemlich müde Taube. An einem Bein trägt sie einen kleinen Ring.
„Seht ihr?“, sagt der Brezel-Peter. „Metall.“
„Das ist ein Ring“, sage ich.
„Oder eine Antenne.“
Der Hape hebt beide Hände, als wolle er mit der Taube verhandeln. „Wir kommen in Frieden.“
Die Taube sieht ihn an und kackt auf den Rand vom Schild.
Der Schorsch steht in der Tür. „Die kommt nicht rein.“
In diesem Moment rollt ein Taxi an den Bordstein. Ein altes, beigefarbenes. Es hält direkt vor dem Imbiss. Der Motor läuft noch einen Moment nach, dann wird er abgestellt. Die Fahrertür geht auf.
Ein Mann steigt aus. Um die siebzig, vielleicht älter. Schlank, grauer Bart, Schirmmütze, wetterfeste Jacke. Er bewegt sich langsam, aber nicht unsicher. Er schaut erst zur Taube, dann zu uns.
„Na, Rosa“, sagt er zur Taube. „Da bist du ja.“
Der Brezel-Peter macht einen Schritt zurück. „Das ist er.“
„Wer?“, frage ich.
„Der Taxifahrer.“
Der Mann sieht den Brezel-Peter an. „Ach. Schrebergarten, Parzelle sieben, viel Meinung zur Stadtplanung.“
„Peter“, sagt der Brezel-Peter.
„Erich“, sagt der Taxifahrer.
Der Hape flüstert: „Der Informant.“
Der Erich nimmt eine kleine Dose aus der Jackentasche, schüttet ein paar Körner in die Hand und hält sie der Taube hin. Die Taube flattert vom Schild auf seinen Arm und frisst.
„Ist das Ihre Drohne?“, fragt der Brezel-Peter.
Der Erich schaut ihn an. „Das ist eine Brieftaube.“
„Also eine analoge Drohne“, sagt der Hape.
„Nein“, sagt der Erich. „Eine Taube.“
Der Schorsch verschränkt die Arme. „Und Area 51?“
Der Erich seufzt. „Hab ich wieder zu viel erzählt?“
„Sie haben gesagt“, sagt der Brezel-Peter, „seit siebzig Jahren lebt ein linksradikaler Außerirdischer in Area 51.“
Der Erich nickt langsam. „Ja. Das stimmt auch.“
Es wird sehr still.
Sogar der Verkehr scheint kurz zu überlegen, ob er weiterfahren möchte.
Der Erich zeigt die Straße runter. „Kleingartenverein Abendruh. Parzelle 51. Wir nennen das Areal 51. Da wohnt der Lothar. Der ist vor siebzig Jahren aus Ostwestfalen hierhergezogen. Für manche hier war das damals praktisch außerirdisch. Linksradikal war er auch. Hat im Getränkegroßhandel einen Betriebsrat gegründet. Dreimal.“
Der Brezel-Peter blinzelt.
Der Hape sagt: „Das ist … ernüchternd.“
„Nein“, sage ich. „Das ist präzise.“
Der Erich streichelt der Taube mit einem Finger über den Rücken. „Der Lothar erzählt nur gern, dass er aus dem All kommt, weil ihm Ostwestfalen zu privat ist.“
Der Schorsch lacht leise. Nur kurz. Aber es passiert.
„Und die Kühe?“, fragt der Brezel-Peter.
„Der Lothar isst kein Rind“, sagt der Erich. „Seit 1983. Wegen einer Reportage.“
„Also keine Befreiung?“
„Nur kein Gulasch.“
Der Hape schaut enttäuscht. „Das ruiniert mein Ausstellungsprojekt.“
Der Erich deutet zur Taube. „Rosa gehört dem Lothar. Die bringt manchmal Zettel zwischen den Parzellen hin und her. Seit die Vereins-App ständig abstürzt. Heute sollte sie eigentlich zu mir.“
Der Schorsch schaut zur Taube. „Und warum sitzt die auf meinem Schild?“
Der Erich lächelt. „Pommesgeruch. Rosa hat Schwächen.“
„Kenn ich“, sage ich.
Der Brezel-Peter kratzt sich am Kopf. „Das heißt, Vögel sind gar keine Drohnen?“
„Manche Menschen wären gern so interessant, dass sie von Tauben überwacht werden“, sagt der Erich. „Die meisten sind es nicht.“
Der Satz hängt einen Moment zwischen uns. Er ist einfach. Und wahrscheinlich wahr. Das macht ihn fast unanständig.
Wir gehen wieder rein. Der Erich kommt mit. Die Taube bleibt draußen auf dem Taxidach sitzen, als hätte sie Feierabend.
Der Schorsch stellt dem Erich einen Kaffee hin. Ohne zu fragen.
„Und die Rente?“, fragt der Hape plötzlich.
Der Erich rührt im Kaffee. „Was soll damit sein?“
„Ist die noch sicher?“
Der Erich lacht nicht. „Sicher ist erst mal nur, dass man älter wird, wenn man nicht vorher Pech hat.“
„Das ist nicht beruhigend“, sagt der Brezel-Peter.
„War auch nicht als Wellness gedacht“, sagt der Erich. „Aber ja: Man kann was tun. Nachweise sammeln. Zeiten klären. Nicht glauben, dass sich irgendein Amt von allein an den Sommer erinnert, in dem man schwarz auf einem Festival Bierkisten geschleppt hat.“
Der Hape schaut mich an.
„Was?“, sage ich.
„Nichts.“
„Ich habe damals geholfen.“
„Gegen Bier.“
„Bier ist auch eine Währung.“
Der Schorsch stellt sich wieder an den Grill. „Keine stabile.“
Der Erich trinkt einen Schluck Kaffee. „Der Lothar sagt immer: Die Zukunft ist kein UFO. Die landet nicht einfach. Man muss ihr einen Platz freihalten.“
Der Hape schreibt das sofort auf seine Serviette.
„Das ist vom Lothar?“, frage ich.
„Nein“, sagt der Erich. „Von mir. Aber wenn ich sage, es ist vom Lothar, klingt es besser.“
Draußen fliegt die Taube vom Taxidach zurück auf die Hochspannungsleitung. Die anderen Vögel rücken ein Stück zur Seite. Für einen Augenblick sieht es aus, als würden sie beraten. Vielleicht über uns. Vielleicht über Pommes. Vielleicht über gar nichts.
Ich nehme den letzten Bissen Currywurst. Die Soße ist warm, ein bisschen süß, ein bisschen scharf, so wie sie sein muss. Der Hape malt auf seiner Serviette inzwischen eine Taube mit Antenne und Baskenmütze. Der Brezel-Peter schaut nachdenklich aus dem Fenster. Der Schorsch macht neue Pommes, obwohl niemand welche bestellt hat.
Der Autor könnte die Geschichte jetzt mit einem großen Zeichen beenden. Ein Licht am Himmel. Ein Funkspruch aus Nevada. Der Lothar, der mit einem UFO vorfährt und sagt, die Revolution beginne am Grill.
Aber ausnahmsweise macht der Autor etwas Klügeres.
Er lässt einfach den Imbiss weiterlaufen.
Der Erich trinkt seinen Kaffee. Der Schorsch salzt die Pommes. Der Hape findet sein Bild plötzlich doch gut. Der Brezel-Peter sagt, man müsse trotzdem wachsam bleiben. Ich sage, wachsam ja, aber nicht bescheuert. Das ist ein Unterschied, der in der Gegenwart leider oft nicht beachtet wird.
Und draußen sitzen die Vögel auf der Leitung.
Sie laden nicht.
Sie sitzen nur da.
Aber ganz ehrlich: Bei einer Taube namens Rosa aus Areal 51 weiß man nie…
ENDE