
Eine Galerie, ein paar Schnittchen, zu viel Sekt und der Hape in einem Umfeld, in dem alle so tun, als sei Bedeutung etwas, das man möglichst langsam aussprechen muss. Der Hanswurst ahnt: Das wird kein Abend für einfache Menschen.
Diese Geschichte gibt es auch als eingesprochene Fassung.
Gelesen von: Jan Schreiber
Worum geht’s?
Der Hape ist mit der Antonia verabredet. Sie veranstaltet in ihrer Galerie eine Vernissage, und weil der Hape ihr versprochen hat zu kommen, kommt er auch. Nicht allein natürlich. Er nimmt den Hanswurst mit.
Der Hanswurst hofft auf einen lauen Abend mit Sekt und Schnittchen. Vielleicht ein bisschen Kultur, aber bitte nicht zu viel. Doch schon nach wenigen Minuten ist klar: Diese Galerie ist kein Ort für Menschen, die hungrig sind. Hier stehen Leute mit erhobenen Nasen vor Bildern, reden wichtig und verhalten sich so, als hätte jemand den Humor an der Garderobe abgegeben.
Die Geschichte lesen
Der Hape ist heute Abend mit der Antonia verabredet. Er hat ihr versprochen, zu einer Vernissage zu kommen, die sie in ihrer Galerie veranstaltet. Irgend so ein Pinselschwinger, der offensichtlich schwer in Mode ist, darf seine Bilder ausstellen und dabei darauf hoffen, ein paar davon verkaufen zu können.
Der Hape hat nur wenig Lust auf diese Veranstaltung. Allerdings denkt er, dass ihm ein Abend in der Galerie auch ein wenig Ablenkung bringen könnte. Aber egal, der Antonia hat er versprochen zu kommen. Also kommt er. Auch wenn die Antonia sicher keine Zeit für ihn haben wird, weil sie sich als Galeristin um das potentiell zahlende Publikum kümmern muss. Nicht zuletzt vielleicht auch deswegen, um das Publikum erst zu diesem potentiell zahlenden Publikum zu machen.
Und jetzt kommt der Teil, wo ich kurz was klarstellen muss: Ich bin ich, der Hanswurst. Und ich weiß, dass ich eine fiktive Figur bin, irgendwo aus dem Kopf von so einem Autor herausgefallen, der mich wie eine Schachfigur durch die Gegend schiebt. Und weil der Autor eine Arschgeige ist – ja, ich sag’s wie’s ist –, schickt er mich natürlich nicht einfach dahin, wo es sinnvoll wäre (Imbiss ums Eck, Currywurst, Bier), sondern dahin, wo’s wehtut: Galerie. Sekt. Schnittchen. Menschen, die so gucken, als hätten sie ihren Humor im Bankschließfach vergessen.
Um also nicht doof in der Ecke rumstehen zu müssen, hat der Hape sich gedacht, einfach den Hanswurst zu fragen, ob ich ihn nicht begleiten will. Ich habe zum Glück noch nichts anderes vor und sage zu. Was auch wieder so eine Sache ist: „zum Glück“ ist in Geschichten oft nur das Wort für „gleich passiert was Peinliches“.
Insgeheim hoffe ich natürlich, mir auf Kosten der Antonia bei Schnittchen und Sekt einen lauen Abend und einen schmalen Fuß zu machen. Immerhin hat sie mein altes, kleines und verbeultes Damenrad fast über den Haufen gefahren. Meine Rosi hat sich bis heute noch nicht von diesem Schreck erholt. Sehr zu meinem Leidwesen. Immer noch klingelt sie ständig und grundlos mit ihrer Fahrradklingel und erschreckt damit jedes Mal mich, den Hanswurst. Als hätte der Autor ihr auch noch eine Neurose dazugeschrieben. Der Depp.
Die Galerie der Antonia liegt sehr zentral in der Innenstadt, gut auffindbar und erreichbar. Insbesondere heute Abend. Sie strahlt quasi wie ein heller Stern am Abendhimmel. Ein aufgehender Stern am Kunsthimmel sozusagen. Vor der Galerie ist ein Pavillon aufgebaut, der mit zahlreichen Lichterketten und verschiedenen bunten Girlanden geschmückt ist. Hier steht die Antonia und schüttelt dem potentiell zahlenden Publikum die Hände. Als sie den Hape sieht, winkt sie ihm freudig zu. »Hallo mein Picasso! Wie schön, dass du da bist. Wunderbar! Du hast sogar jemanden mitgebracht.«
Der Hape umarmt die Antonia leidenschaftlich, gibt ihr einen langen Kuss und fragt dann: »Entschuldige Ma Jolie, habe ich dir eigentlich schon mal meinen Kumpel, den Hanswurst, vorgestellt?«
»Tatsächlich nicht. Dann wird’s aber endlich Zeit.« Sie grinst und sagt, an mich gewandt: »Wie schön dich kennen zu lernen Hanswurst.«
Mir sind solche Vorstellungen nicht wirklich behaglich. Ich antworte unbehaglich: »Das finde ich auch. Picasso hat schon viel von dir erzählt.«
»Wirklich? Hat er das, mein Picasso. Na ja. Nun gut, mischt euch unters Volk. Es gibt was zu Trinken. Und Schnittchen gibt’s auch. Bis später. Dann habe ich hoffentlich mehr Zeit.« Dann wendet sich die Antonia wieder ihrer Händeschüttelarbeit zu.
Im Inneren der Galerie wirkt es sehr wuselig. Ein kurzer Blick genügt mir, dem Hanswurst, um das Gewusel in zwei Gruppen von Menschen aufzuteilen. Die eine besteht aus verschiedenen wichtig aussehenden Leuten mit erhobenen Nasen, die sich die ausgestellten Bilder ansehen. Die zweite umringt das Schnittchenbuffet. Während ich gedanklich sortiere, angle ich mir zwei Gläser Sekt von einem Tablett eines vorübereilenden Servicemädchens, das die Antonia wohl für diesen Abend engagiert hat, und gebe eines davon dem Hape schmunzelnd mit den Worten: »Picasso und Ma Jolie. So so.« Ich muss mich arg bemühen, dabei nicht laut loszuprusten.
»Ähm. Das ist so ein Ding bei der Antonia und mir.« erwidert der Hape, und seine Antwort soll wie beiläufig klingen.
»So ein Ding?« frage ich mit fragendem Blick und erhobenen Augenbrauen.
»Ja. So ein Ding eben.« betont der Hape, und es klingt, als will er sich nicht weiter dazu äußern.
Ich lasse es dabei bewenden und frage stattdessen nach dem Namen des Künstlers und ob der Hape diesen kennen würde. Immerhin ist der Hape ja ebenfalls Künstler. Der Hape gesteht, dass er ihn nicht kennt. Auch fällt ihm der Name des Leidensgenossen seiner Zunft schon nicht mehr ein. Die Antonia hat ihn sicherlich irgendwann erwähnt. Er kann sich ebenfalls nicht mehr daran erinnern, was der Kerl denn überhaupt malt.
»Und was malt der Maler ohne Namen so?« frage ich und versuche über die Schultern der wichtig aussehenden Menschen mit erhobenen Nasen einen Blick auf eben jene Bilder zu erhaschen.
»Vermutlich etwas, was sich betuchtere Leute in ihre Wohnzimmer hängen, um damit bei ihren Freunden oder oberflächlichen Bekannten Eindruck schinden zu können. Sie würden dann bestimmt sagen, dass es sich bei dem Bild um ein Frühwerk eines Ausnahmetalents handelte und sie dessen Potential erkannt hätten. Mäzengleich sozusagen.«, gibt der Hape zum Besten. Und das ist es eigentlich, was den Hape an diesem System mit der Kunst so ankotzt. »Dieses sich prostituieren als Künstler kotzt mich an.«
»Was? Wer ist eine Nutte? Warum denn?« will ich wissen. Ich habe keine Ahnung, wovon der Hape da spricht. Aber ich finde, dass mir der Sekt gut schmeckt. Mein Blick huscht wieder Richtung Buffet und den immer noch gleichen Typen, die es sorgfältig abfräsen. Ein Schnittchen hätte ich jetzt auch gerne noch abbekommen. Und wenn ich ehrlich bin: Ich hätte stattdessen auch einfach beim Schorsch stehen können. Aber nein. Der Autor musste ja kulturell werden. Idiot.
Der Hape scheint noch keinen rechten Appetit zu haben und fährt fort: »Die mit Geld geben gern mit den Früchten ihres kreativen Schaffens an. Also mit der Leistung der Künstler, nicht ihrer eigenen natürlich. Auch umgeben sie sich gerne mit Künstlern. Der Unterschied jedoch ist doch der, dass die einen in ihren gut situierten Leben mit ihren dicken Autos, dicken Häusern und prallgefüllten Bankkonten weitermachen, wie bisher und die Künstler am Abend, wenn sie ins Bett gehen, nicht wissen, wie es am nächsten Tag für sie weitergehen soll. Haben sie dann genug Kohle für die Miete, fürs Essen und was man als Mensch halt sonst so noch braucht?«
Ich verspüre mittlerweile ein richtiges Hungergefühl. Ich meine auch schon ein lautes Knurren aus Richtung meines Magens hören zu können. Wäre ich bloß vor der Vernissage noch auf ne Currywurst zum Imbiss ums Eck gegangen.
»Aber diese Gedanken machen sich diese Geldsnobs nicht. Dazu muss man empathiefähig sein. Künstler sind nur so etwas wie exotischer Schmuck, mit dem man sich eine Zeit lang schmücken kann. Und Morgen? Da gibt’s vielleicht schon wieder etwas anderes, was in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit gerät.« Der Hape mustert mich und fragt: »Hanswurst? Hanswurst! Hörst Du mir eigentlich zu?«
»Was? Wie? Na klar.« lüge ich, ohne dabei rot zu werden. »Lass uns mal ein Schnittchen holen. Ich hab ganz schön Kohldampf. Ich hab’s vorhin nicht mehr zum Schorsch geschafft.«
Am Buffet schaufle ich mir alles, was die Buffetfräsen übrig gelassen haben, auf einen Teller. Ein trauriges Schnittchen mit Leberwurst, drei Oliven mit Stein – die mit Füllung sind schon weggefräst – und ein Gläschen mit Bulgursalat oder etwas, was so ähnlich aussieht, aber ganz anders schmeckt. Insgesamt etwas für einen hohlen Zahn, wie ich finde. Und wer ist schuld? Der Hape natürlich mit seinem Gelaber. Und der Autor. Der sowieso. Der hätte mir auch einfach ’ne Currywurst hinschreiben können. Aber nein.
Der Hape fängt nun auch wieder damit an: »Ich hab mich nie zur Hure der Kunst gemacht.« Das ist seine ganz ehrliche Meinung. »Willst du eigentlich noch einen Sekt?« fragt er mich, während ich gerade dabei bin, meinen Bulgursalat oder das was so ähnlich aussieht aber eigentlich ganz anders schmeckt zu verputzen. Ich nicke nur mit vollem Mund.
Nachdem der Hape mit zwei vollen Gläsern wieder bei mir steht, monologisiert er weiter: »Gut, ich habe anfangs viel ausprobiert und stets gehofft, damit irgendwie erfolgreich zu sein.«
Ich bin mittlerweile mit meinem Bulgursalat oder das was so ähnlich aussieht aber eigentlich ganz anders schmeckt fertig und werfe dazwischen: »Aber dafür hast du doch einfach zu viel Punk im Kopf mein lieber Freund.«
»Das ist ja das abstruse. Das ist auch genau der Vorwurf, den ich zeitlebens der Punkbewegung bzw. den Bands zum Vorwurf mache. Punks machen Musik um der Musik willen. Egal ob sie gut ist, gut klingt, oder sie ihre Instrumente versiert spielen oder gut singen können. Musik von Punks für Punks.« Der Hape trinkt seinen Sekt aus und verrät danach: »Hanswurst, du hast da noch Petersilie zwischen den Zähnen.«
»Wo? Da? Ist die jetzt weg?« frage ich.
»Bisschen weiter links«, meint der Hape und fährt fort: »Außerdem ist das Punksein auch immer eine Lebenseinstellung des Dagegenseins oder etwa nicht? Also gegen das Establishment. Nicht unbedingt mit einem gesellschaftlichen Gegenentwurf in der Tasche, aber halt so ein Gefühl, verstehst du? Demnach müssten sich Punkbands auflösen, sobald sie populär werden, sich quasi selbst abschaffen, bevor sie zu Musikhuren des kapitalistischen Systems werden.«
Ich blecke nur meine Zähne und zeige sie dem Hape. Der nickt bloß. Gleichzeitig bemerke ich, dass eine aufgetakelte Fregatte pikiert das Petersilien-Schauspiel beobachtet hat, um sich danach abweisend mit erhobener Nase wegzudrehen.
Als ich mich wieder dem Hape zuwende, ist der gerade dabei, seinen Sekt in einem Zug zu leeren. Da schneit die Antonia herbei und fragt, ob wir uns amüsieren würden. Der Hape bejaht und fasst ihr heimlich an den Po. Die Antonia kichert kurz, rollt aber mit den Augen und fragt uns, ob sie uns mal mit dem Pinselschwinger bekannt machen soll. Nachdem keine Reaktion von uns kommt, wertet sie dies als Zustimmung und zieht uns zu einem Mann, der ganz in schwarz gekleidet ist. Er trägt Rollkragenpullover, Jeans und Lederstiefel. Ich schätze ihn auf ca. 30 Jahre. Er hat eine schlanke bis hagere Figur und blondes dünnes Haar, das streng von links nach rechts gekämmt auf seinem Kopf liegt. Eine silberne runde Brille auf einer ausdefinierten Hakennase rundet sein schmales blasses, beinahe fahl wirkendes Gesicht ab. Als er die Antonia sieht, lächelt er ein schwaches und dünnes Lächeln und nickt ihr zu.
Die Antonia fasst seinen Arm und sagt: »Hallo Jean-Pierre, darf ich dir meinen Freund, den Hape vorstellen?«
Der Jean-Pierre streckt seine Hand aus und näselt: »Ah mes amis, welch Freude. Ich bin Jean-Pierre, der Schöpfer dieser, meiner, Kinder.«
Ich weiß nicht recht, wie ich reagieren soll. Da ergreift der Hape schnell die ausgestreckte Hand und schüttelt sie. Er hat den Eindruck, dass die Hand ein totes weiches Brötchen ist, und er fragt sich wirklich, wie man mit so einer Waschlappenhand einen Pinsel halten kann.
Trotzdem sagt der Hape: »Sehr erfreut Jean-Pierre, ich bin der Hape und das ist mein Kumpel, der Hanswurst. Es ist ja überaus spannend, was Du da malst und ausstellst. Wenn ich’s richtig gesehen habe, dann ist braun Deine bevorzugte Farbe?«
Der Pinselschwinger freut sich offensichtlich darüber, auf seine Kunst angesprochen zu werden, und erwidert: »Das stimmt. Das ist spannend, dass Du das ansprichst. Verstehst Du etwas von der Malerei?« Ich spähe derweil nach dem Sektmädchen, kann es auf Anhieb aber nicht entdecken.
»Ein wenig. Ich habe schon viel ausprobiert. Aber vielleicht habe ich noch nicht die richtige Art und Weise gefunden, mich auszudrücken. Also so, dass ich das Gefühl bekomme, das ist es. Das bin ich. Verstehst du?« meint der Hape.
Der Jean-Pierre nickt und schenkt dem Hape wieder eines seiner dünnen und schwachen Lächeln: »Ich liebe es mich mit dem Pinsel zu vergnügen.«
Ich versuche mir vorzustellen, wie man sich mit einem Pinsel vergnügt, und winke dem Sektmädchen zu, das sich gerade einen Weg durch die Menge der wichtig aussehenden Leute mit erhobenen Nasen bahnt.
»Am meisten Spaß hatte ich tatsächlich mit der Kunst des Wortes. Das ist vielleicht nicht vergleichbar mit der Malerei. Aber ich kann von mir behaupten, die Kunstform des Dadaismus weiterentwickelt zu haben. Ich habe die Dadakunst quasi auf eine neue Ebene gehoben.« sagt der Hape mit nicht wenig Stolz in der Stimme.
Ich frage leicht irritiert: »Ach wirklich?« Anscheinend kenne ich meinen Freund doch nicht so gut, wie ich immer dachte.
»Dada? Dachte das sei tot. Interessant. Welche Ebene meinst du denn genau, Hape?« fragt der blass wirkende Jean-Pierre.
Der Hape antwortet: »Na das ist doch offensichtlich. Dada richtet sich ja traditionell an das gängige Kunstverständnis und versucht dies im Kontext moderner Techniken zu dekonstruieren. Ich habe mich am Teletext versucht und so die Kunstform des Teledadaismus erfunden.«
»Aber Teletext ist doch auch tot, Hape. Dann hast du demnach also zwei tote Dinge, den Dadaismus und den Teletext, miteinander verheiratet. Kein Wunder, dass Du nicht erfolgreich bist. Das klingt irgendwie nach Totgeburt. Teledadaismus, pfft.«, dekonstruier ich meinen Freund und trinke eines meiner beiden Sektgläser aus.
»Wenn man gute Freunde hat, braucht man keine Feinde mehr. Danke mein lieber Hanswurst.« sagt der Hape leicht zerknirscht.
An dieser Stelle schaltet sich Jean-Pierre wieder in die Unterhaltung ein: »Also ich finde das großartig was der Hape da macht. Mainstream ist doch eh Scheiße. Apropos Totgeburt. Was meint ihr denn, womit ich meine Bilder male?«
»Mit Wasserfarben?« versuche ich es. Ich versuche mich an den Kunstunterricht in meiner Schulzeit zu erinnern. Mit Wachsmalern haben wir auch gemalt. Oder war das im Kindergarten. Das ist alles schon so lang her. Es gibt da früher eine Zeit, als ich selbst gerne Kunst machen wollte. Die Popart hat es mir besonders angetan. Das war aber mehr so mit Drucken und so. Dann kam die Metzgerlehre und ich konnte es nicht weiterverfolgen und nahm den Gedanken auch nie wieder auf. Leicht betrübt durch die Erinnerung an meine verflossene Leidenschaft kippe ich das zweite meiner Sektgläser in mich hinein. Natürlich kippe ich’s. Der Autor hat offensichtlich beschlossen, dass ich heute keinen würdevollen Abgang kriege. Der Volltrottel.
Der Pinselschwinger lacht ein beinahe scheintotes Lachen, das sich anhört wie aus einer anderen Welt, sagt dann aber: »Mit Blut.«
»Mit Blut? Echt jetzt? Und das klappt? Aber, dann wären deine Bilder doch rot, oder etwa nicht?« hält der Hape ihm entgegen.
»Na klar. Es ist sogar ganz besonderes Blut.« verrät Jean-Pierre leicht verschwörerisch. »Wenn einmal mit dem Menstruationsblut gemalt wurde und es auf dem Papier mit der Zeit an der Luft trocknet, ändert sich selbst das kräftigste Rot ins Bräunliche. Nach und nach wird es auch etwas blasser. Es ist sehr interessant, die Veränderungen so sehen zu können.«
Ich verschlucke mich an meinem letzten Schluck Sekt und bin mir nicht sicher, ob ich das richtig gehört habe.
»Menstruationsblut. Das ist ja widerlich. Und ich dachte schon, du malst mit Scheiße. Das wäre ja schon eklig genug. Aber mit Menstruationsblut? Das schießt doch glatt den Vogel ab. Bäh.« entlädt sich der Hape.
Und ich, dem nun wirklich schlecht ist, entlade mich auch. Allerdings mit meinem Mageninhalt. Ich kotze einen anverdauten Brei bestehend aus dem Leberwurstschnittchen, dem Bulgursalat oder das, was so ähnlich aussah aber eigentlich ganz anders schmeckte, den drei Oliven und den vier Gläsern Sekt direkt Jean-Pierre ins Gesicht und auf seinen schwarzen Rollkragenpullover.
Der Hape packt mich am Arm und zieht mich Richtung Ausgang. Dort angekommen nehmen wir die Füße in die Hände und geben Fersengeld, wobei ich immer noch mit meinem Magen zu kämpfen habe… und während ich so laufe und würge, denke ich nur: Danke, Autor. Wirklich. Du Arschgeige.
ENDE