Vier Männer sitzen an einem Tisch in einem Imbiss.

Ein Mann in Jeans, Jack-Wolfskin-Jacke und Pilotenbrille betritt den Imbiss ums Eck und bestellt Currywurst mit „etwas Heiligkeit“. Kurz darauf sitzt der Gregor am Tresen. Angeblich Ex-Papst, offiziell tot, in Wahrheit auf der Suche nach dem Echten.

Diese Geschichte gibt es auch als eingesprochene Fassung.

Gelesen von: Holger Eberle
Plus Bonus-Song: Gold macht nicht satt

Worum geht’s?

Ein früheres Kirchenoberhaupt taucht inkognito beim Schorsch auf und erklärt, dass er genug hat von Gold, Liturgie und Einsamkeit.

Zwischen Currywurst, Beck’s, Pommesgabel-Theologie und Imbissgesprächen über Gott und Welt merkt der Hanswurst: Vielleicht muss man gar nicht immer eine große Rolle erfüllen. Manchmal reicht es, einfach da zu sein: mit Wurst, Soße und den richtigen Leuten.

Die Geschichte lesen

Ich sag’s gleich, wie’s ist: Ich hätt den Typen nie erkannt. So in zivil. Jeans, Jack Wolfskin-Jacke, Pilotenbrille, ein bisschen wie diese Typen, die mit 67 noch E-Bike fahren und sich einbilden, das wäre Sport. Aber irgendwas war komisch an ihm. Nicht komisch im Sinne von ‚der lacht schief‘, sondern komisch im Sinne von ‚wo kommt der denn her?‘.

Er kam rein, als ich grad meine zweite Currywurst bestellt hab. Ja, der Autor hat mich das tun lassen, obwohl ich eigentlich dachte, ich ess heut mal die Frikadelle. Aber wie gesagt, ich hab hier keine Entscheidungsgewalt. Der Schorsch hinterm Grill hat ihn auch erst gar nicht beachtet, was heißt: Er hat gebrummt, eine Kippe ausgetreten und gefragt: „Mit Zwiebeln oder ohne?“

„Ohne, bitte. Aber mit etwas Heiligkeit.“

So ein Satz. Im Imbiss ums Eck. Der Schorsch schaut auf. Ich schau auch. Und der Hape, der gerade sein Bier umrührt (fragt nicht), bleibt mit der Flasche in der Luft hängen.

„Biste vom Kirchentag oder was?“ fragt der Schorsch, leicht misstrauisch.

„Ehemals Oberhaupt. Jetzt auf Sinnsuche.“

Ich schwör, ich dacht erst, das wär wieder so ’n Performance-Künstler, den der Hape kennt. Der Hape hat ja mal ’nen Typen mitgebracht, der sich 48 Stunden lang als Hydrant verkleidet hat, um das „Stadtwesen“ zu verstehen. Seitdem ist meine Toleranz für Absurdes leicht gestiegen.

Aber der hier… der war anders. Der hatte so ’ne Aura. Nicht wie beim Brezel-Peter, wenn er wieder zu lange in seinem Räucherschuppen lag, sondern irgendwie würdevoll. Abgehalftert, aber würdevoll.

„Ich nenne mich jetzt Gregor“, sagt er.

„Wie Gregor Gysi?“ fragt der Hape.

„Nein. Wie ein Papst.“

„Halt’s Maul“, sagt der Schorsch. Nicht böse. Eher ehrfürchtig.

Tja. Und dann saß er da. Der Ex-Papst. Oder der angebliche Ex-Papst. Hat sich ’ne Wurst bestellt, Pommes rot-weiß, ein Bier dazu. Beck’s. War wohl das einzige, das er kannte. Der Schorsch hat ihm ausnahmsweise mal ein Glas dazu gegeben. Und ich… ich hab angefangen, mit ihm zu reden.

„Und? Warum biste hier?“

„Weil ich es nicht mehr ertragen hab.“

„Was?“

„Die Liturgie. Die Formalien. Das Gold. Die Einsamkeit.“

Ich schau zum Hape. Der schaut zum Schorsch. Der Schorsch zieht die Schultern hoch.

„Ich mein“, sag ich, „du hättest auch einfach ’nen Sabbatmonat machen können. Oder in Ruhestand gehen wie der Benedikt.“

„Das hab ich ja. Nur… sie wollten, dass ich tot bin. Weil sie mit zwei Ex-Päpsten nicht klarkommen. Also hab ich’s ihnen gegönnt.“

„Wie jetzt… Du hast deinen Tod vorgetäuscht?“

Er nickt.

Der Schorsch stellt ihm ein zweites Bier hin. Ohne was zu sagen. Ich glaub, der glaubt ihm. Und ich? Ich weiß nicht. Vielleicht war’s der Blick. Oder der Geruch. Der Typ roch nach Weihrauch und Marlboro Gold.

„Und jetzt?“ frag ich.

„Jetzt häng ich hier rum. Vielleicht fahr ich morgen weiter. Vielleicht bleib ich. Ich suche… das Echte.“

„Dann biste hier falsch“, sagt der Hape. „Aber willkommen.“

Und so beginnt es. Drei Stunden später diskutieren wir über die Existenz Gottes, die Vorzüge der Pommesgabel als liturgisches Symbol und ob der Papst eigentlich auch Steuern zahlen müsste, wenn er inkognito ist. Der Getränke-Manni kommt rein, bleibt stehen, schaut den Typen an und sagt: „Sieh an. Der Pontifex persönlich. Ich dachte, du bist tot?“

Der Papst – pardon, der Gregor – zwinkert. „Bin ich auch. Für die Welt. Aber für euch? Bin ich einfach ein Typ, der jetzt weiß, wie man eine Currywurst richtig isst.“

Und ich, der Hanswurst, der das alles gar nicht fassen kann, lehn mich zurück, nehm noch ein Stück Wurst und denk mir: Wenn selbst der Papst keinen Bock mehr auf Papstsein hat, vielleicht muss ich dann auch nicht mehr so tun, als ob ich irgendwas sein müsste. Vielleicht reicht’s, einfach hier zu sein. Im Imbiss. Mit meinen Leuten. Mit dem Gregor. Und dem Wissen, dass Glaube vielleicht da ist, wo die Soße am dicksten ist.

Und falls ihr jetzt denkt, das ist alles erfunden, habt ihr natürlich recht. Ich bin ja nur eine Figur. Aber fragt mal den Schorsch. Der hat noch den Teller vom Papst. Und der is sauber. Von Hand gespült. Wie’s sich gehört…

ENDE

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