Der Hanswurst in der Hölle

Cover der Wurst- und Durstgeschichte „Der Hanswurst in der Hölle“ mit Hanswurst, Teufel, Feuer, Glühwein und höllischer Currywurst-Anspielung

Glühende Lava, alkoholfreier Glühwein und vegane Lebkuchenherzen: Der Hanswurst landet in der Hölle und erkennt sofort, dass ewige Verdammnis vor allem ein gastronomisches Problem ist. Als dann noch Banane-Bratapfel-Currysauce und lebende Würmer serviert werden, reicht es endgültig.

Gesprochen von: Stefan Gläsel
Plus Bonus-Song: Die Hölle ist lauwarm

Worum geht’s?

Der Teufel versucht, den Hanswurst mit lauwarmem Glühwein, klebrigem Weihnachtskram und kulinarischen Abscheulichkeiten zu quälen.

Die Geschichte lesen

Hitze. Glühende Hitze. Und das Erste, was ich sehe, ist … Feuer. Viel Feuer. Alles rot und brodelnd. Ja, da hat mich der Autor, dieser schwefelhirnige Höllenheini, jetzt also hingeschickt. In die Hölle. Warum? Wahrscheinlich, weil ihm nach dem Himmel eine Pointe gefehlt hat. Oder weil dieser glutverliebte Aschekasper testen wollte, ob ich auch hier was zu meckern finde. Spoiler: Finde ich. Und zwar sofort. Ich hätt ja auch einfach im Imbiss stehen können, an meinem Lieblingsstammstehtisch, Bier in der Hand, Currywurst vorm Gesicht. Aber nein. Der Autor, diese trübe Ofenkartoffel des Fegefeuers, musste mich natürlich wieder ins Elend schreiben.

Ich steh auf einem Lavabrocken, und der Boden fühlt sich an wie eine Heizplatte, auf der der Schorsch seine Würste warmhält. Überall qualmt und zischt es, und ich hab das Gefühl, ich steck mitten in einer überhitzten Fritteuse. Von oben tropft glühender Schwefel. Und das Erste, was ich rieche? Glühwein. Och nö. Kein Witz. Dieser typische Weihnachtsmarktgeruch. Zimt, Nelken und ein Hauch von verbranntem Zucker. Glühwein. In der Hölle. Na, das passt ja. Wobei ich fair bleiben will: Für so einen muffigen Schwefeldeppen von Autor ist das natürlich ein geradezu zwingender Einfall.

Und dann hör ich’s: eine Stimme, kratzig wie eine alte Schallplatte, die zu oft gespielt wurde. „Willkommen, Hanswurst. Wir haben schon auf dich gewartet.“

Ich dreh mich um. Und da steht er: Der Teufel höchstpersönlich. Sieht aus wie ein schlecht gelaunter Türsteher mit Hörnern. In der Hand? Natürlich: ’nen Becher Glühwein.

Ich heb die Augenbraue. „Ja, super. Und wo ist die Currywurst?“

Der Teufel lacht, und ich sag mal so: Das klingt mehr nach Husten als nach Freude. „Currywurst? Hanswurst, wir sind hier in der Hölle. Hier gibt’s…“ – er macht eine ausladende Geste – „Glühwein. Und dazu …“ – und jetzt wird’s richtig gruselig – „nur vegane Lebkuchenherzen. Ohne Zucker. Aber mit Zuckerersatz. Und der macht dick. Und ist auch süß.“

Ich blinzel. „Glühwein und Lebkuchenherzen? Was ist das hier, ein schlechter Weihnachtsmarkt? Außerdem ist schon fast Mai.“ Dann schieb ich gleich hinterher: „Hat sich das wieder dieser autorische Schwefelkasper ausgedacht, oder seid ihr hier unten wirklich von allen guten Geistern verlassen?“

Der Teufel grinst. „Das ist die ewige Qual. Alles falsch: Alles süß, alles klebrig, und der Glühwein immer entweder zu heiß oder schon lauwarm. Und, Hanswurst, das Beste: Der Glühwein hat null Umdrehungen.“

Ich krieg Gänsehaut. „Alkoholfreier Glühwein? Das ist ja schlimmer als der Himmel mit seinem Nektar! Das denkt sich auch nur ein komplett verkokelter Drehbuchdämon aus.“

Der Teufel nickt zufrieden. „Genau. Willkommen in der Unterwelt. Hier werden deine Nerven gebraten, nicht deine Würste.“

Da reicht’s mir. Ich stemm die Hände in die Hüften. „Pass auf, Hornhelm. Du glaubst, du kannst mich hier mit schlechtem Glühwein und Lebkuchen foltern? Pustekuchen. Ich bin der Hanswurst. Ich hab Jahre im Imbiss ums Eck überlebt, inklusive dreier Weihnachtsmarkt-Saisons mit dem selbstgebrauten Punsch vom Schorsch. Der war so stark, da hat sogar der Tannenbaum Schluckauf gekriegt. Also komm, zeig mir, was du hast. Mehr als dieser hirnverrußte Autor, diese beleidigte Ofenklappe, wirst du auch nicht zustande bringen.“

Der Teufel kneift die Augen zusammen. „Na schön. Dann probier das.“

Und plötzlich steht vor mir: Ein Topf. Darin brodelt etwas. Rot, dickflüssig, dampfend. Und ich weiß sofort: Das ist … Currysauce! Oder …?

Ich beuge mich vor. Riech dran. Und … ja, irgendwas stimmt da nicht. Es riecht … nach Himbeere. Und Zimt. Und ein bisschen wie … Bratapfel und definitiv Banane? Warum Banane? Ich hasse Banane! Natürlich. Klar. Exakt so ein Schwachsinn fällt entweder einem Dämon im Endstadium oder meinem Autor ein, diesem schlappschwänzigen Höllenschreiber mit Ruß im Hirn.

Ich starre den Teufel an. „Was hast du mit der Sauce gemacht?“

Der Teufel grinst, und seine Reißzähne funkeln. „Spezialrezept. Banane-Bratapfel-Glühwein-Currysauce. Passt hervorragend zu unseren … Würmern.“

Da hält er mir ’nen Teller hin. Darauf kringeln sich: Gagh. Lebendige Schlangenwürmer. Klingonische Spezialität. Aus Star Trek. Natürlich. Und die zappeln noch. Und schlimmer, sie glitzern. Bestäubt mit … Puderzucker.

Ich schlucke. „Sag mal, bist du komplett durchgebraten, du Penner? Glühwein-Sauce und Gagh mit Puderzucker? Das ist ja schlimmer als der Versuch vom Schorsch, Currysauce mit Eierlikör zu machen. Und irgendwo sitzt bestimmt dieser erzteuflige Autorenlump und hält das für originell.“

Der Teufel grinst breit. „Na, Hanswurst. Mahlzeit.“

Und dann, Freunde, ist bei mir Schluss. Genug. Himmel, Hölle, Glühwein, Würmer. Ich hab’s satt. Ich lege den Kopf in den Nacken und brülle:

„AUTOR! REICHT! GENUG MIT DEM SCHEISS! DU SCHWEFELFRESSENDE ARSCHGEIGE! DU HIRNVERKOKELTER HÖLLENDEPP! DU MISERABLER GLUTKOBOLD MIT FEGEFEUER IM OBERSTÜBCHEN! HOL MICH ZURÜCK IN DEN IMBISS!“

Und … es passiert. Ein Ruck. Ein Sog. Ein Plopp.

Ich steh. Wo? Natürlich: Im Imbiss ums Eck.

Der Schorsch schaut mich über die Theke hinweg an. „Hanswurst, was hast du denn getrieben? Du schaust aus, als wärst du durch die Hölle gegangen.“

Ich stütze mich auf meinen abgewetzten Lieblingsstehstammtisch, schnaufe durch und sag nur: „Schorsch. Bitte. Eine Currywurst. Mit Pommes. Und ein Bier. Hauptsache kein Glühwein. Und wenn dieser abgefuckte Höllenautor noch einmal meint, mich irgendwohin schreiben zu müssen, dann soll er sich vorher selbst in Banane-Bratapfel-Soße wenden.“

Der Hape grinst von der Seite. „Na, Hanswurst? Schlechte Erfahrungen mit Glühwein gemacht? Und … hm … wo bekommt man denn jetzt noch Glühwein?“

Ich nicke. „Sag’s keinem. Aber gegen Glühwein ist sogar die Hölle … na ja … die Hölle halt.“

Und dann nehm ich die Currywurst. Tunk die Pommes rein. Nipp am Bier. Und weiß: Hier, genau hier … ist das wahre Paradies…

ENDE

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