Cover der Wurst- und Durstgeschichte „Der Hanswurst und der letzte Saloon ums Eck“ mit Hanswurst, Schorsch, Jaqueline und Murat im Imbiss sowie einem elegant gekleideten Projektentwickler mit Cowboyhut

High Noon im Imbiss ums Eck: Ein Immobilienentwickler mit Cowboystiefeln, teurem Hut und noch teureren Ideen erklärt dem Schorsch, wie viel „Potential“ in seinem Laden steckt. Was folgt, ist ein Western ohne Pferde. Dafür mit Currywurst, Gentrifizierung und ziemlich klaren Fronten.

Diese Geschichte gibt es auch als eingesprochene Fassung.

Gelesen von: Michael Elze & Nadine Seiffert
Plus Bonus-Song: Wir sind schon da

Worum geht’s?

Ein Projektentwickler will den Imbiss als „authentisches“ Konzept in ein neues Quartier integrieren: modernisiert, skalierbar und am besten gleich als Wild-West-Currybar…

Die Geschichte lesen

Um zwölf Uhr mittags steht die Sonne so senkrecht über dem Imbiss ums Eck, dass selbst der Schatten vom Schorsch keine Lust mehr hat, sich zu bewegen. Die Straße flimmert. Der Asphalt riecht warm und ein bisschen nach Reifenabrieb, die Mülleimer riechen entschlossener als sonst, und irgendwo hupt ein Lieferwagen, als hätte er gerade erfahren, dass er in einem Western mitspielen muss.

Der Schorsch steht hinterm Grill, die Zange in der Hand, die Zigarette im Mundwinkel, und wenn man sehr viel Fantasie hat, könnte man sagen: Sheriff. Aber nur, wenn man vorher zwei Bier hatte und Western grundsätzlich für Dokumentarfilme hält. Sein Imbiss ist kein Saloon, auch wenn einiges dafürspricht. Es gibt einen Tresen, es gibt Männer, die zu lange bleiben, es gibt Flaschen, an denen man sich festhalten kann, und draußen vor der Tür liegt manchmal so viel Staub und Müdigkeit, dass man fast erwartet, gleich rollt ein vertrockneter Strauch vorbei. Nur Klavier haben wir keins. Dafür ein altes Radio, das je nach Wetterlage Oldies, Verkehrsmeldungen oder Rauschen spielt. Meistens Rauschen. Das passt.

Ich stehe an meinem Lieblingsstehstammtisch und merke sofort, dass der Autor wieder etwas vorhat. Der hat nämlich offenbar „Wild Wild West“ gelesen und gedacht: Den Hanswurst schicke ich jetzt in den Westen. Dabei weiß jeder vernünftige Mensch, dass ich schon im äußersten Westen meiner Belastbarkeit angekommen bin, sobald der Schorsch die Mayo nachfüllen muss. Aber so ist das mit Autoren. Die sehen ein Thema und dann müssen wir Figuren da durch wie Vieh durch einen Treibgang. Ich sage das als ehemaliger Metzgerlehrling und als fiktive Figur. Ich kenne mich also mit beidem aus: mit Treibgängen und mit Ausgeliefertsein.

„High Noon“, sagt die Jaqueline, als sie reinkommt.

Sie ist nicht verkleidet. Natürlich nicht. Die Jaqueline braucht keinen Cowboyhut, um gefährlich zu wirken. Sie kommt vom Laufen, trägt Sportleggings, ein verschwitztes Shirt, zusammengebundene Haare und diesen Blick, mit dem sie normalerweise entweder einen Halbmarathon beginnt oder einem Mann erklärt, dass seine Meinung keine Naturgewalt ist. Sie stellt ihre Trinkflasche auf den Stehtisch und schaut erst den Schorsch an, dann mich, dann aus dem Fenster.

„Es ist halb eins“, sage ich.

„Dann ist es schon nach High Noon“, sagt sie. „Noch interessanter. Dann sieht man nämlich, wer nach dem großen Auftritt den Dreck wegmacht.“

Der Schorsch dreht eine Wurst. „Bei mir ist erst High Noon, wenn einer nicht zahlt.“

Draußen bleibt in diesem Moment ein Mann vor dem Imbiss stehen. Er steht nicht so da wie jemand, der Hunger hat. Menschen mit Hunger schauen zuerst auf die Speisekarte oder direkt in die Fritteuse, als könnte man den Frittiervorgang von Fritten telepathisch beschleunigen. Dieser Mann schaut auf die Fassade. Auf das Schild. Auf die Fenster. Auf den Bürgersteig. Er schaut, als würde er den Ort nicht sehen, sondern prüfen, ob er sich rechnen lässt.

Er trägt helle Cowboystiefel. Keine richtigen, abgewetzten, staubigen Stiefel, sondern solche, die aussehen, als hätten sie mehr gekostet als mein Kühlschrank. Dazu Jeans, weißes Hemd, Sonnenbrille und einen Hut, der zu neu ist, um eine Geschichte zu haben. Ein Hut ohne Vergangenheit. Das ist meistens kein gutes Zeichen.

„Ach du Scheiße“, sagt die Jaqueline leise.

„Kennst du den?“, frage ich.

„Nein“, sagt sie. „Aber ich kenne die Sorte.“

Der Mann tritt ein. Die Türglocke klingelt, obwohl sie seit Jahren nur noch klingelt, wenn sie Lust hat. Heute hat sie Lust. Natürlich. Der Autor drückt wieder auf die Symboltaste.

Im Imbiss wird es für einen Moment enger. Nicht, weil der Mann besonders breit wäre. Eher, weil er eine Art Raumanspruch mitbringt. Manche Menschen betreten einen Laden und fragen innerlich, wo sie stehen dürfen. Andere betreten einen Laden und machen sich sofort zum Mittelpunkt, als wäre Mittelpunkt ein Menschenrecht mit Ledersohle.

„Guten Tag“, sagt er.

Niemand antwortet sofort. Das ist beim Schorsch keine Unhöflichkeit, das ist Hausordnung.

Der Mann nimmt die Sonnenbrille ab, klappt sie zusammen und legt sie auf den Stehtisch, ohne zu fragen. Das ist der erste Fehler. Der zweite ist sein Lächeln. Es ist nicht falsch, aber es ist geübt. Ein Lächeln, das schon in Besprechungsräumen funktioniert hat.

„Schöner Laden“, sagt er.

Der Schorsch hebt nur eine Augenbraue. „Laden ist drüben beim Murat. Hier ist Imbiss.“

„Umso besser“, sagt der Mann. „Imbiss. Authentisch. Direkt. Sehr stark.“

Wenn jemand „authentisch“ sagt, ohne dass er gerade über eine kaputte Klospülung oder eine ehrliche Currysoße spricht, werde ich nervös.

Die Jaqueline verschränkt die Arme. „Was wollen Sie?“

Der Mann sieht sie an, als hätte er nicht damit gerechnet, dass in seinem Western jemand anderes als er die erste Frage stellt. „Ich bin Wegner“, sagt er. „Wegner Urban Development. Wir entwickeln Flächen, Quartiere, Nachbarschaften. Wir erzählen Orte neu.“

„Orte erzählen sich selbst“, sagt die Jaqueline.

„Manchmal brauchen sie dabei Unterstützung“, sagt der Wegner.

Der Schorsch legt eine Wurst auf den Grill, obwohl keine bestellt wurde. Vielleicht aus Gewohnheit. Vielleicht als Warnung. Fleisch auf heißer Platte hat eine deutliche Sprache.

„Was wollen Sie?“, fragt der Schorsch.

Der Wegner macht eine kleine Bewegung zur Tür hin, nach draußen, zur Straße, zum Häuserblock, als gehöre ihm die Geste schon. „Wir schauen uns das Viertel an. Hier passiert in den nächsten Jahren einiges. Viel Potential. Viel Geschichte. Viel Charakter. Und solche Orte wie Ihrer, Herr…“

„Schorsch“, sagt der Schorsch.

„Herr Schorsch“, sagt der Wegner, und schon daran merkt man, dass er nichts verstanden hat.

„Nur Schorsch“, sagt der Schorsch.

Der Wegner nickt, als hätte er einen lokalen Brauch respektiert. „Solche Orte sind wichtig. Die Menschen sehnen sich nach Echtheit. Nach Begegnung. Nach einfachen Dingen.“

„Currywurst ist nicht einfach“, sagt der Schorsch.

„Doch“, sagt der Wegner, „gerade das ist ja der Charme.“

Da ist kurz Stille. Keine große, dramatische Stille. Mehr so eine Stille, bei der man hört, wie im Kopf vom Schorsch etwas den Sicherungsdraht verliert.

Die Jaqueline tritt einen halben Schritt näher an den Wegner heran. „Sie meinen also: Erst kaufen Sie die Häuser, dann werfen Sie die Leute raus, dann machen Sie aus dem, was übrigbleibt, eine Marke.“

Der Wegner lächelt kleiner. „So würde ich das nicht formulieren.“

„Das glaube ich sofort“, sagt die Jaqueline. „Sie formulieren wahrscheinlich gar nichts so, dass es stimmt.“

Ich muss kurz in mein Bier schauen, damit ich nicht direkt grinse. Die Jaqueline kann Sätze werfen wie andere Leute Messer. Nicht aus Show. Eher aus Notwehr.

Der Wegner bleibt ruhig. Das muss man ihm lassen. Solche Leute trainieren Ruhe. Die können angegriffen werden und sehen dabei noch aus, als würden sie gleich einen Workshop moderieren. „Es geht nicht um Verdrängung“, sagt er. „Es geht um Transformation.“

„Wenn ich eine Wurst zu lange auf dem Grill lasse“, sagt der Schorsch, „ist sie auch transformiert. Verkaufen kann ich sie dann trotzdem nicht mehr.“

Der Wegner lacht höflich. „Guter Vergleich.“

„War keiner“, sagt der Schorsch.

Ich schaue den Mann an und denke an Western. Nicht an die echten, falls es echte überhaupt gibt, sondern an die Filme. Staubige Straßen, leere Blicke, Männer, die immer so tun, als hätten sie die Einsamkeit erfunden. Der Westen als Versprechen: Reite los, nimm dir Land, fang neu an, sei frei. Nur wird selten dazugesagt, wer vorher dort war. Und wer nachher nicht mehr. Freiheit klingt oft erst dann gut, wenn man nicht fragt, auf wessen Boden sie steht.

Das sage ich auch. Ungefähr. Vielleicht etwas langsamer, weil ich dabei merke, dass der Autor mir gerade einen ziemlich ordentlichen Gedanken in den Mund legt, und da muss ich aufpassen. Zu viel Klugheit auf einmal macht mich unglaubwürdig.

Der Wegner schaut mich an. „Interessanter Punkt.“

„Nein“, sage ich. „Ein Punkt ist nur interessant, wenn man ihn nicht sofort weglächelt.“

Die Tür geht wieder auf. Diesmal kommt der Murat rein. Der Murat vom Kiosk gegenüber. Er trägt eine Kiste Limo, als wäre sie eine normale Kiste Limo und nicht der Vorwand, unter dem er hier erscheint. Der Murat sieht den Wegner, sieht die Stiefel, sieht den Hut, sieht uns. Dann stellt er die Kiste ab.

„Ah“, sagt der Murat. „Der wilde Westen ist da.“

Der Wegner reicht ihm die Hand. „Wegner.“

Der Murat schaut auf die Hand und entscheidet, dass sie im Moment genug mit sich selbst zu tun hat. „Murat.“

„Freut mich“, sagt der Wegner.

„Warten wir’s ab“, sagt der Murat.

Der Schorsch stellt vier Bier auf den Stehtisch. Eins für mich, eins für die Jaqueline, eins für den Murat, eins für sich. Dem Wegner stellt er Wasser hin. Leitungswasser. Im kleinen Glas. Das ist beim Schorsch keine Beleidigung, aber auch nicht weit weg davon.

„Ich bin heute eigentlich gekommen“, sagt der Wegner, „um Ihnen ein Angebot zu machen.“

„Aha“, sagt der Schorsch.

„Ihr Imbiss hat ein starkes Profil. Retro, ehrlich, kantig. Wir könnten uns vorstellen, dieses Konzept in die neue Quartiersentwicklung einzubinden. Natürlich modernisiert. Hygienisch optimiert. Digital sichtbar. Vielleicht als Saloon-Currybar. Wild West Curry. Holz, Neon, offene Küche, Craft-Bier, Storytelling.“

Der Murat lacht einmal trocken. „Also wie hier, nur ohne uns.“

„Mit Ihnen als Gesicht“, sagt der Wegner zum Schorsch. „Wenn Sie möchten.“

Der Schorsch sieht ihn lange an. „Als Gesicht.“

„Ja.“

„Und wer macht die Wurst?“

„Das müsste man sehen. Prozesse lassen sich skalieren.“

Der Schorsch nimmt seine Zigarette aus dem Mund. Er drückt sie aus. Langsam. Sehr langsam. Ich habe den Schorsch selten so höflich gesehen, und genau das macht mir Sorgen.

Die Jaqueline sagt: „Das ist der Western ohne Pferd. Einer kommt, steckt einen Zaun in die Erde und sagt: Ab jetzt ist das hier Fortschritt.“

„Das ist sehr zugespitzt“, sagt der Wegner.

„Das ist sehr höflich“, sagt die Jaqueline.

Der Murat lehnt sich an den Stehtisch. „Bei mir waren auch schon Leute. Haben gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, aus dem Kiosk einen Concept Store zu machen. Mit regionalem Sortiment. Und einer kleinen Ecke für urbane Literatur. Ich hab gesagt, ich verkaufe seit zwanzig Jahren Zigaretten, Bier, Batterien, Traubenzucker, Pflaster, Feuerzeuge, Bustickets, Liebeskummer und nachts manchmal Würde. Regionaler wird’s nicht.“

„Niemand will Ihnen Ihre Geschichte nehmen“, sagt der Wegner.

Da muss ich lachen. Nicht laut. Nur kurz. „Doch“, sage ich. „Genau das wollen Sie. Sie wollen sie nehmen, reinigen, teurer machen und dann Leuten verkaufen, die sich nach etwas sehnen, das sie selbst mit abgeschafft haben.“

Der Wegner schaut mich an, und für einen Moment ist sein Lächeln weg. Darunter ist kein Bösewicht. Das ist der eigentliche Schreck. Darunter ist ein Mann, der vermutlich wirklich glaubt, dass er nichts Schlimmes tut. Der wahre Wilde Westen trägt heute nicht Revolver und reitet auch nicht mit finsterem Blick in die Stadt. Er kommt mit PDF, Drohnenfoto und freundlicher Stimme. Er sagt nicht: Hände hoch. Er sagt: Wir wollen den Charakter des Ortes bewahren.

Und da ist der Twist, falls man das so nennen will. Der Mann ist nicht der Revolverheld. Er ist nicht mal der Sheriff. Er ist nur der Bote einer Welt, in der niemand mehr schießen muss, weil schon alles unterschrieben ist.

Draußen fährt ein Lieferdienstradler vorbei, viel zu schnell, den Rücken krumm, die Tasche quadratisch und groß. Für einen Moment sieht er aus wie ein Reiter in einem sehr traurigen neuen Western. Kein Pferd, kein Horizont, nur Akku, App und Zeitdruck.

Der Schorsch stellt die fertige Currywurst auf den Tresen. Niemand hat sie bestellt. Trotzdem steht sie da. Die Soße glänzt. Die Fritten dampfen. Der Schorsch schiebt die Schale dem Wegner hin.

„Probieren“, sagt er.

Der Wegner zögert. Vielleicht wegen der Uhrzeit, vielleicht wegen der Soße, vielleicht wegen dem Gefühl, dass diese Wurst keine Verhandlungsmasse ist. Dann nimmt er die Gabel und isst ein Stück.

Man sieht ihm an, dass es schmeckt. Das ist schlimm für ihn. Manche Dinge sind gefährlich, weil sie nicht in seine Sätze passen.

„Sehr gut“, sagt er.

„Ja“, sagt der Schorsch.

„Daraus könnte man wirklich etwas machen.“

Der Schorsch nickt. „Mach ich schon.“

Dann nimmt er die Schale zurück, stellt sie vor mich und sagt: „Iss, sonst wird’s kalt.“

Der Wegner blinzelt. „Ich glaube, Sie unterschätzen die Chance.“

Der Schorsch lehnt sich auf den Tresen. Er sieht jetzt wirklich ein bisschen aus wie ein Sheriff. Nicht wie einer aus dem Kino, eher wie einer, der seit Jahren weiß, dass Ordnung nichts mit Macht zu tun hat, sondern mit der Frage, ob man Menschen in Ruhe essen lässt.

„Und ich glaube“, sagt der Schorsch, „Sie überschätzen Ihre Stiefel.“

Der Murat lacht. Die Jaqueline auch. Ich nicht sofort, weil ich noch kaue. Aber innerlich lache ich sehr.

Der Wegner nimmt seine Sonnenbrille vom Tisch. Er setzt sie nicht auf. Vielleicht merkt er, dass das jetzt zu viel wäre. „Das Angebot steht“, sagt er. „Denken Sie darüber nach.“

„Mach ich“, sagt der Schorsch.

„Wirklich?“

„Nein.“

Der Wegner geht. Die Türglocke klingelt wieder. Draußen setzt er den Hut auf, schaut kurz nach links und rechts und geht die Straße runter. Ohne Pferd. Ohne Staubwolke. Nur mit sehr teuren Stiefeln auf sehr altem Bürgersteig.

Wir bleiben im Imbiss stehen. Eine Weile sagt keiner etwas. Das Radio rauscht. Die Fritteuse arbeitet. Die Stadt flimmert weiter, als wäre nichts passiert. Vielleicht ist auch nichts passiert. Vielleicht passieren die wichtigen Sachen heute so leise, dass man sie erst merkt, wenn plötzlich ein Schild am Haus hängt und ein vertrauter Ort verschwunden ist.

Dann nimmt der Schorsch ein Stück Pappe und schreibt mit dickem Filzstift:

HIGH-NOON-MENÜ
Currywurst, Pommes, Bier.
Keine Reservierung.
Keine Eroberung.
Kein Landraub.
Wer friedlich kommt, kriegt noch extra Samourai-Soße.

Er hängt das Schild ins Fenster.

„Das reicht nicht“, sagt die Jaqueline.

Der Schorsch nickt. „Weiß ich.“

„Aber es ist ein Anfang“, sagt der Murat.

„Nein“, sagt der Schorsch. „Es ist ein Menü.“

Ich schaue auf das Schild. Auf den Schorsch. Auf die Jaqueline. Auf den Murat. Und auf die Straße, die plötzlich nicht mehr aussieht wie eine Straße im Westen, sondern wie eine Straße in einer Stadt, in der jeden Tag entschieden wird, wer bleiben darf und wer nur Kulisse war.

Der Autor will jetzt bestimmt, dass ich irgendwas Abschließendes sage. Über Freiheit vielleicht. Oder über den Westen. Oder darüber, dass der letzte Saloon nicht der Ort ist, an dem man sich betrinkt, sondern der Ort, an dem man sich weigert, ganz aus der Geschichte herausmodernisiert zu werden.

Aber ich sage nichts.

Ich trinke mein Bier, esse meine Currywurst und denke: Wenn das hier ein Western ist, dann sind wir nicht die Helden. Wir sind auch nicht die Schurken. Wir sind die, die nach dem Duell die Stühle wieder geraderücken, die Gläser einsammeln und am nächsten Tag trotzdem aufmachen.

Und vielleicht ist das mehr Widerstand, als es auf den ersten Blick aussieht.

Draußen flimmert die Hitze. Drinnen brät der Schorsch weiter Würste.

High Noon ist vorbei.

Der Tag aber nicht.

ENDE

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